Was macht einen guten Fragebogen für die psychische Gefährdungsbeurteilung aus?

Janine Fuchs

Welche Anforderungen muss ein Fragebogen erfüllen, um für eine gesetzeskonforme psychische Gefährdungsbeurteilung geeignet zu sein? Was unterscheidet den psy50 von anderen Fragebögen oder von klassischen Mitarbeiterbefragungen? Und was bedeuten eigentlich die vielen statistischen Begriffe, die in diesem Zusammenhang häufig genannt werden?

Diese Fragen sind nachvollziehbar und berechtigt – und führen in der Praxis oft zu Unsicherheit oder Stirnrunzeln. Ziel dieses Beitrags ist es daher, transparent und verständlich zu erklären, worauf es bei einem geeigneten Analyseinstrument ankommt und welche Kriterien bei der Entwicklung des psy50 eine zentrale Rolle gespielt haben.

Welche Anforderungen stellen Gesetzgeber und Normen?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) haben inhaltlich festgelegt, welche Themenbereiche ein Instrument zur psychischen Gefährdungsbeurteilung abbilden muss.

Diese Anforderungen beziehen sich unter anderem auf die Abbildung folgender Aspekte:

  • allgemeine psychische Gesundheit
  • Arbeitsfähigkeit und Produktivität
  • Führung und Organisation
  • technische Arbeitsbedingungen
  • Arbeitszeitgestaltung
  • soziale Beziehungen
  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsumfeld
  • Arbeitsplatzgestaltung

Über diese inhaltliche Kriterien hinaus setzt die sogenannte DIN EN ISO 10075 (eine arbeitswissenschaftliche Norm zur Bewertung psychischer Belastungen) psychometrische Gütekriterien voraus, welche ein Fragebogen ebenfalls erfüllen muss. Die DIN präzisiert sogar Fragebogeninstrumente so weit, dass sie drei Präzisionsstufen unterscheidet, je nachdem, welchen Wert die Gütekriterien erreicht haben.

Was versteht man unter Gütekriterien?

Als Gütekriterien werden Merkmale bezeichnet, mit denen die Qualität von Messungen beurteilt wird. Sie geben Auskunft darüber, wie verlässlich, aussagekräftig und belastbar die Ergebnisse eines Fragebogens sind.

Die drei zentralen Gütekriterien sind:

Objektivität

Objektivität ist dann gegeben, wenn das Ergebnis einer Messung unabhängig von der Person ist, die sie durchführt oder auswertet.
Für Fragebögen bedeutet dies beispielsweise, dass die Fragen klar formuliert sind und den Teilnehmenden keine unterschwelligen Annahmen unterstellen oder sie in eine bestimmte Richtung lenken.

Reliabilität

Reliabilität beschreibt die Zuverlässigkeit einer Messung. Sie ist erfüllt, wenn bei wiederholten Messungen unter vergleichbaren Bedingungen ähnliche Ergebnisse erzielt werden.

Validität

Validität bedeutet, dass ein Instrument tatsächlich das misst, was es messen soll. Dies wird unter anderem durch passgenaue, verständlich formulierte Fragen gewährleistet, die sich klar auf die relevanten Belastungsfaktoren beziehen.

Die gesetzlichen Vorgaben der DIN EN ISO 10075 gehen sogar über die Hauptgütekriterien hinaus und fordern zusätzlich diagnostische Aussagekraft, Messempfindlichkeit, Generalisierbarkeit und Gebrauchstauglichkeit.

Um zu wissen, ob man den geforderten Gütekriterien gerecht werden kann, ist der Fragebogen zu validieren.

Warum ist die Validierung eines Fragebogens so entscheidend?

Um beurteilen zu können, ob ein Instrument den geforderten Gütekriterien entspricht, muss es validiert werden.

Unter Validierung versteht man den Prozess, bei dem ein Fragebogen an einer hinreichend großen Stichprobe getestet wird. Mithilfe verschiedener statistischer Analysen lässt sich anschließend bestimmen, in welchem Ausmaß Objektivität, Reliabilität und Validität erreicht werden.

Erst auf dieser Grundlage kann eine fundierte Aussage darüber getroffen werden, wie belastbar und aussagekräftig ein Fragebogen tatsächlich ist. Nicht zuletzt aufgrund des hohen zeitlichen und methodischen Aufwands empfiehlt es sich daher, wo immer möglich, auf bereits validierte Instrumente zurückzugreifen.

Wie wurde der psy50 validiert?

Dieser Validierungsprozess wurde für den psy50 im Jahr 2019 durchgeführt.
Gemeinsam mit dem damaligen Mannheimer Institut für Public Health (heute: Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg wurde der Fragebogen im Rahmen des geförderten Projekts PsyGA des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wissenschaftlich überprüft.

Zunächst wurden rund 2.000 Personen über ein Institut befragt. Die Ergebnisse wurden anschließend mithilfe standardisierter Verfahren psychologischer Testungen statistisch ausgewertet und optimiert. Darauf aufbauend wurden die Daten von weiteren 5.000 Personen erhoben, um eine belastbare Referenz-Benchmark zu generieren.

Seitdem wurde der psy50 in zahlreichen Unternehmen eingesetzt. Insgesamt haben inzwischen rund 40.000 Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen (u. a. Handel, metallverarbeitende Industrie, IT, Dienstleistung, Chemie und Nahrungsmittelindustrie) teilgenommen. Damit wurde die Validierung nicht nur wissenschaftlich, sondern auch in der betrieblichen Praxis kontinuierlich überprüft.

Fazit

Die Entwicklung eines geeigneten Analyseinstruments für die psychische Gefährdungsbeurteilung ist mehr als die Auswahl eines beliebigen Fragebogens. Gesetzgeber und Normen definieren zwar klare inhaltliche und methodische Anforderungen, doch in der Praxis unterscheiden sich eingesetzte Instrumente deutlich darin, wie konsequent und mit welcher Tiefe diese Anforderungen umgesetzt und überprüft wurden.

Gütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität bilden dabei die methodische Grundlage für belastbare Ergebnisse. Erst durch eine systematische Validierung lässt sich jedoch feststellen, ob ein Fragebogen diesen Qualitätsanforderungen tatsächlich gerecht wird und als verlässliche Entscheidungsgrundlage im Arbeitsschutz dienen kann.

Der psy50 wurde vor diesem Hintergrund entwickelt und validiert. Die mehrstufige wissenschaftliche Überprüfung, die Bildung einer Referenz-Benchmark sowie der kontinuierliche Einsatz in unterschiedlichen Branchen stellen sicher, dass die im Rahmen der psychischen Gefährdungsbeurteilung erhobenen Ergebnisse nicht nur formal den Anforderungen entsprechen, sondern auch inhaltlich belastbar und praxisrelevant sind.

Im Unterschied zu klassischen Mitarbeiterbefragungen, die in erster Linie Stimmungsbilder abbilden, ist der psy50 als Analyseinstrument gezielt darauf ausgelegt, arbeitsbedingte psychische Belastungen methodisch fundiert zu erfassen und bewertbar zu machen.

Damit soll dieser Beitrag vor allem eines leisten: Orientierung. Nicht jeder Fragebogen ist gleichwertig, auch wenn er ähnliche Themen adressiert. Entscheidend ist, wie sorgfältig ein Instrument entwickelt, überprüft und in der Praxis erprobt wurde.

Die richtige Grundlage für fundierte Ergebnisse

Nicht jeder Fragebogen liefert belastbare Ergebnisse. Der psy50 ist wissenschaftlich validiert, praxiserprobt und speziell für die psychische Gefährdungsbeurteilung entwickelt.

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